gruppe8.mai

 

* Startseite     * Archiv     * Kontakt



* Links
     soz stud ver
     jungle world
     antifa ffm
     sinistra!






Gegen jeden Fasching!
?ber den antiamerikanischen Mainzer Umzug vom 23.02.05.


Die Deutschen haben verstanden: Es ist derzeit aus machttaktischen Gr?nden nicht opportun, allzu lautstark seiner Abneigung gegen die USA Ausdruck zu verleihen. Und so fiel die Bilanz der Proteste gegen den Bush-Besuch doch recht mager aus: W?hrend laut einer Umfrage 77% der Bundesb?rgerinnen Bush explizit nicht vertrauen, bequemten sich in den meisten F?llen nur wenig mehr als 20 oder 30 Unentwegte zu den am Vortag der Visite angemeldeten Kundgebungen, in einigen St?dten waren es um die 500. Zwei Jahre zuvor hatten noch Hunderttausende Joseph, Gerhard und Saddam die Daumen gedr?ckt. Ihre gegenw?rtig zu vernachl?ssigende Quantit?t ?ndert nichts an der Qualit?t ihrer Auftritte: immer noch verspr?hen sie den selben stupiden Anti-Charme, immer noch werfen sie mit den selben Parolen, Schlagw?rtern und Versatzst?cken um sich, immer noch weigern sie sich auch nur f?r einen Cent ihr Gehirn zu bet?tigen, w?hrend sie zugleich die „Faust der Dummheit“ in den USA verorten. In Frankfurt etwa trat der notorische Gewissensbiss und Pfaffe aus Berufung, H. C. Stoodt, an, um den USA zu unterstellen, sie planten „die ganze Welt in ein Guantanamo“ zu verwandeln, und zog zur Untermauerung dieser These die Sicherheitsvorkehrungen in Mainz heran. Somit wurde nicht nur der alte Klassiker von dem amerikanischen Streben nach allumfassender Weltherrschaft aufgew?rmt, w?hrend ?ber die deutschen Weltmachtambitionen der samtene Mantel barmherzigen Schweigens gebreitet wird, zugleich wurden die Zust?nde in dem irregul?ren Gefangenenlager durch den Vergleich mit kurzzeitigen Ausgehbeschr?nkungen in Rheinland-Pfalz verharmlost, um die Deutschen als erste und gr??te Opfer des „Amis“ adeln zu k?nnen. In Wiesbaden brachte das Hyper-Feindbild Cowboy Bush den altgedienten Gewerkschafter Hans-Gerd ?finger gar zu einer Verbr?derung mit der sonst so verhassten Nachbarstadt Mainz, auf einer Demonstration trumpfte er „frech“ auf: "Bush soll auf seiner Ranch bleiben und uns in Wiesbaden und Mainz in Ruhe lassen“. Michael Wilk vom Arbeitskreis Umwelt wird in den Medien mit den Worten, der US-Pr?sident drohe "die Welt zu unterwerfen und den absoluten Herrschaftsanspruch der USA durchzusetzen", zitiert, womit er – gewollt oder ungewollt - sich reibungslos in die nationale Abwehrfront einreihte. Der Zielort des Aufmarsches in der HessenHauptstadt lie? dann keine Fragen mehr offen: es handelte sich um den Platz der deutschen Einheit.



In Mainz nichts Neues

Am 23. Februar, dem Tag der Stippvisite, mobilisierte das offizielle B?ndnis, welches das gesamte linke Spektrum von Attac ?ber PDS und DFG-VK bis hin zur Antifa abdeckte, weniger zu einem vielsagenden Ort, denn mehr zu einer hochsymbolischen Zeit: auf 11.55 wurde der Demobeginn terminiert, womit soviel gesagt sein sollte wie: Steht auf Leute, der Weltuntergang steht kurz bevor. Gl?cklicherweise sagen solch apokalyptische Szenarien in aller Regel mehr ?ber die wirren Endzeitsehns?chte der Deutschen, die sie zu Papier bringen, als ?ber den tats?chlichen Zustand des Erdenrunds aus (was uns, nebenbei gesagt, ?berhaupt erst erm?glicht, diesen Text zu verfassen).
Gekommen waren trotz der rigiden Sicherheitsvorkehrungen zwischen 5-10.000 Willige, deren Zusammensetzung sich in statistischer Form etwa so darstellt: 30% Palituchtr?gerinnen, 25% Pace-Fahnenschwenkerinnen, 22% Linksruck-Schildhalterinnen, 10% ?bers Blaumachen erfreute Sch?lerinnen, 10% Lehrerinnen in Vollbart-Montur, 3% Antiimps aus Duisburg. Dar?ber hinaus sind keine besonderen Vorkommnisse zu vermelden: „US-Army raus aus der BRD“, „Bush go home“, „Bush = Hitler“, „Bush sucks“ (auf schickem schwarz-rot-goldenem Hintergrund), „Bush = Terrorist No. 1“, „F?r das Selbstbestimmungsrecht der V?lker“, „Bush + Sharon + Bin Laden = Crime and Terror“, so oder so ?hnlich stand es auf den Schildern zu lesen. Am Rande vereinzelte Nazis, die von Antifa oder Polizei des Platzes verwiesen wurden, und die ungest?rte Beteiligung einiger Islamistinnen. Dazwischen die ber?chtigten Bunt-Kreativen, die um den Sieg im Wettlauf um die rapideste und weitreichendste R?ckverdummung konkurrierten, und diverse Stra?entheater und Performance-Gruppen, die in ihrem gen?sslichen Vor- und Nachspielen „typisch amerikanischer Szenen“ wie dem Lager Guantanmo oder der Panzerpatrouille offen den Neid auf die dem Gegner zugeschriebene Macht, Gewalt und Skrupellosigkeit ausdr?ckten. Generell bewahrheite sich wieder einmal eine alte antideutsche Faustregel, nach der nirgends so viele Gewaltdrohungen und Aggressions?u?erungen zu finden sind wie auf einer selbsterkl?rten Friedensdemonstration: „Sperrt Bush ein“, „Bush nach Den Haag“, „Todesstrafe f?r Bush“, „Bretzeln f?r Bush“ und ?hnliche Fantasien fanden sich an jeder Ecke. Der Frieden, den sie meinen, stellt sich ?ber den Ausschluss des Anderen her, der mit aller Wucht f?r die geheuchelte Friedlichkeit, die den Nachbarn, dem Chef, der “fremden Kultur“ entgegengebracht wird, abgestraft werden soll. In der Hetze gegen den „dummen, brutalen, Chaos stiftenden, ?lgierigen“ Staatsmann k?nnen all jene Ressentimens ge?u?ert werden, die im eigenen Alltag bzw in der nationalen Identit?t keinen Ausdruck finden k?nnen und d?rfen, da die Deutschen ja dem Selbstmissverst?ndnis unterliegen, sie lebten in einer prinzipiell guten Welt, in der grunds?tzlich alle zu ihrem Recht k?men, solange sie nur etwas Verzicht f?r die Allgemeinheit ?bten. Dass dabei nur der gr??te Beschiss herauskommt, n?mlich die Hingabe f?r Kapital und Volk, ahnen sie wohl selbst und m?ssen darum umso w?tender gegen die angehen, die ihnen – scheinbar oder tats?chlich – die selbstbewusste Verfolgung von Interessen, Pragmatismus und Materialismus, vorleben, ergo im antiamerikanischen Weltbild f?r Individualit?t und Gl?ck stehen. Der Aufruf, f?r eine „friedliche und soziale Welt“ Engagement zu zeigen, bedeutet denn auch nicht mehr als die grunds?tzliche Affirmation des Ist-Zustandes bei Anbringung einiger Korrekturen, die jedoch keineswegs der Emanzipation dienlich sein k?nnen: „Sozial“ bedeutet ihnen lediglich die Intensivierung der Staatst?tigkeit, die durch „gerechte Verteilung“ des Reichtums ein wohliges Kuschelfeeling, wie es von 1933 bis weit in die 70er Jahre hinein unter den Volksgenossen herrschte, garantieren soll. „Friedlich“ bedeutet der Verzicht auf egoistischen Lebenswandel und die Anpassung an die Verh?ltnisse, seien sie auch noch so gewaltt?tig. Jener faule Frieden, romantisch aufgeladen, harmonizistisch-erl?sungswillig ?berdeterminiert, weist nicht auf den Kommunismus, er ist die falsche Vers?hnung mit dem Bestehenden, da er die mannigfaltig existierenden Antagonismen weder milit?risch (also im Regefall, aber nicht immer: falsch) im Stil der US-Army noch militant im Sinne des Klassenkampfes auszutragen gewillt ist, sondern in idealistischer Weise sich auf moralische Reinheit des Gewissens und des Tuns jenseits tats?chlicher Erfordernisse beruft. Frieden bedeutet ihnen nicht die Abwesenheit von Zwang und Herrschaft, sondern lediglich deren Drapierung in den organischen Formen der Gemeinschaft, der Kultur und Tradition, deren Homogenit?t und Klarheit stets auf der Exklusion des Nicht-Identischen beruhen, worin notwendig der Gedanke der Eliminierung des Anderen schon angelegt ist. So erkl?rt sich abgesehen von der weltpolitischen Rolle Israels als B?ndnispartner der USA in der arabischen Region der Hass auf den j?dischen Staat, denn dort, wo individuelle Differenz negiert wird, ist auch kein Platz f?r J?dinnen, und so nimmt es nicht Wunder, wenn im Internet berichtet wird, die Bush-Hasserinnen h?tten der ?u?erst mager besuchten Pro-Amerika-Demonstration „Schei? Juden“ entgegengeschleudert und eine Rednerin den USA von der alttestamentarischen, ergo j?dischen Devise „Aug um Aug“ abgeraten.
Auf der Homepage des NotWelcome-B?ndnisses wurde in einem Referat von Walden Bello gar explizit zur Kumpanei mit dem v?lkischen Terror aufgerufen, man solle sich nicht von einer Solidarisierung abhalten lassen, nur weil die „st?rksten Anti-US-Bewegungen im Nahen Osten von den USA ... als "Terroristen" ... gebrandmarkt sind“, womit nur die Islamisten und Baathistinnen gemeint sein k?nnen, die unschuldige Zivilistinnen zuhauf in die Luft sprengen. Tats?chlich bezieht sich Bello im folgenden explizit positiv auf eine Konferenz im September 2004, an der neben No-Globals die Judenm?rderinnen der Hisbullah, der PFLP sowie diverse panarabische Nationalistinnen teilnahmen [1].
Diverse Redebeitr?ge in Mainz mahnten zwar keine Solidarit?t mit dem Terror an, schrieben jedoch den USA die Schuld f?r die Entstehung der Selbstmordattentate zu und probten einen widerw?rtiger nationaler Schulterschluss. Einige unkommentierte Ausz?ge d?rften gen?gen: Uta Binz (DFG-VK Mainz): „Aber damals [1945] wurde auch unser sch?nes altes Mainz in Schutt und Asche gelegt, und viele Menschen starben bei den Bombenangriffen, die ... absichtlich auch Zivilisten“ trafen. „Aus leidvoller Erfahrung wissen gerade wir Mainzer und alle Menschen, die ihn erlebt haben, Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit.“.
J?rgen Gr?sslin: „Herr Bush, Sie sind in Deutschland nicht willkommen!“.
Gregor B?ckermann: „Wir wollen keine Verh?ltnisse wie in der USA.“.
Liste Solidarit?t (Pressemitteilung): „Er [Bush] steht f?r eine Philosophie und Regierungspolitik, die die ganze Welt in einen Wilden Westen verwandeln will.“

Das linksradikale Lager

Abgesehen von einigen Transparenten wie „Kapitalismus abschaffen“ und einem kleinen Antifablock war das organisierte linksradikale Spektrum kaum wahrnehmbar. Somit wurde auch, abgesehen von ein oder zwei Reden denen eh kaum jemand lauschte, keine Kritik an der Schr?der-Administration laut. Die Aufrufe des Sozialforums Mainz, des Antifab?ndnisses Mainz und der Antifa Nierstein verpufften wirkungslos. Alle drei Texte waren gekennzeichnet von dem Versuch, den Spagat zwischen einer Kritik an Bush und der Wahrung einer linksradikalen Perspektive zu halten, was jeweils mittels der Gleichstellung von USA und BRD bewerkstelligt werden sollte. Ein Unternehmen welches nur in Halbwahrheiten und Relativierungen enden konnte, denn beide Nationen zeichnen sich durch eine v?llig verschiedene Konstitution, divergierende Feindbilder, unterschiedliche Lagen am Weltmarkt und zumindest partiell antagonistische Interessen aus.
Wer wie das Sozialforum Mainz behauptet, „die deutsche Regierung verfolgt dieselbe Art von Interessenpolitik wie die der USA“, verschweigt etwa die Kumpanei der Deutschen mit dem suicide terror, der wesentlich von der EU gesponsert wird, den Dialog mit den (ehemaligen) Regimes in Irak und Iran und die entsprechenden Lieferungen von Waffentechnologie bis hin zum Giftgas f?r antisemitische Massenm?rder oder das Ausspielen der v?lkisch-regionalistischen Karte gegen bestehende Republiken wie in Jugoslawien, Osteuropa und in j?ngster Zeit auch in Spanien und England. Jenes Charakteristikum pr?gt seit einem Jahrhundert die Au?enpolitik und das Selbstbild des „v?lkischen Parvenues“ in der Mitte Europas. Der Inhalt der deutschen Identit?t entspricht also nicht der amerikanischen, somit ergibt sich ein anderes Verh?ltnis von Identit?t und Interesse und eine andere, gef?hrlichere Au?enpolitik, f?r deren genaue Beschreibung hier nicht der Platz ist. Statt jenen Besonderheiten Raum einzur?umen, werden, des einfacheren Feindbilds halber, die beiden Staaten schlicht gleich gemacht und somit auch die Erkenntnis gebannt, dass es sich bei den antiamerikanischen Aufm?rschen der letzten Jahre keineswegs um legitimen, nur verk?rzten antimilitaristischen Protest, sondern um eine Offensive f?r Deutschland handelt. Wenn die Schr?dersche Friedensseligkeit ?berhaupt erw?hnt wird, wird seine Ablehnung des Irak-Krieges als pure Heuchelei und Propaganda abgetan. Hier offenbart sich ein tradierter Antiimperialismus, der lediglich „die Herrschenden“ als Gestalterinnen der Welt imaginiert und weder ?ber einen Begriff von Ideologie, der ?ber blo?e Manipulation hinausginge, noch von der Herrschaftsf?rmigkeit b?rgerlicher Subjektivit?t, der ihre Verwendung als Kanonenfutter der M?chtigen ?berstiege, verf?gt. Nur darum kann der sich radikal w?hnende Antikapitalismus und Antinationalismus die Tuchf?hlung zum gemeinen Volk propagieren und damit in sein Gegenteil umschlagen. Zwar bleibt er formal dem Liebknechtschen Imperativ treu, doch diskreditiert sich jene Feindbestimmung nicht allein durch ihre objektive Kumpanei mit dem nationalen Mob, in den sich die Nazis angeblich nur mittels geheuchelter B?rgern?he „einschleichen“ (Antifa Mainz) wollten, auch inhaltlich ergreift man entgegen den eigenen Anspr?chen ?ber die simple Gleichmacherei hinausgehend die antiamerikanische Partei. Ganz im Stile der Antiimps von der Frankfurter Rundschau oder der S?ddeutschen Zeitung bezichtigt die Antifa Nierstein die USA des „Bruchs des V?lkerrechts“ (welches in zivilisierten Nationen Internationales Recht genannt wird), unterstellt den allseits bekannten „us-amerikanischen Anspruch auf Weltherrschaft“ und wei? gar um ein „Erm?chtigungsgesetz“ des Kongresses, womit auch die popul?re Assoziation von USA und Nationalsozialismus abgehakt w?re.

Was auch immer die Linksradikalen sich von einer Beteiligung versprochen hatten – eine antinationale Perspektive konnte zu keinem Zeitpunkt vermittelt werden. Die paternalistischer P?dagogik entliehene Methode, den B?rgerinnen ?ber den Anlass ihrer Emp?rung hinaus Kritik zu vermitteln, indem die hiesigen Zust?nde als genau so schlimm wie der Aufh?nger ihres moralischen Aufbegehrens gezeichnet werden, die Leute also da abzuholen wo sie stehen und ihre „Kritik“ schlicht zu verl?ngern, ist gescheitert, denn wer zu f?nft oder zu zehnt so viele Menschen von ihrem Standpunkt wegziehen m?chte, ?berhebt sich und f?llt ?ber seine eigenen F??e den Objekten der Agitation vor ebenjene. Und genau da liegen sie nun, die so hoffnungsfroh gestarteten Linksradikalen. Aber das war angesichts der Thematik von vorneherein klar. Wer mit dem Mob paktiert, sollte sich im Nachhinein nicht beschweren, erst recht nicht wenn die Ernennung eines Gr?nen-Funktion?rs zum Pressesprecher oder einer bekannten Globalisierungs- und Judenhasserin zur Rednerin abgesegnet wird. Doch vermutlich wird man sich nun wieder in sein Ghetto-Schneckenhaus zur?ckziehen, eine Runde schmollen ?ber die mangelnde Anerkennung und bei der n?chsten sich bietenden Gelegenheit wieder alle Hebel in Bewegung setzen, um dem Fu?volk der BRD-Elite einen angenehmen Aufenthalt in seiner Heimatstadt zu bieten.

Zum Abschlu? sei das Zentralorgan der Bewegung, die Frankfurter Rundschau, zitiert, welche am 24.02.05 proklamiert: „Es ist nach Aufhellung der Stimmung [zwischen BRD und USA] die Sache selbstbewusster deutscher Gespr?chspartner, in Washington dem falschen Eindruck vorzubeugen, dass ein paar nette Gesten f?r "Gerhard" den Germans schon reichen k?nnten.“. Dem d?rften die absolute Mehrzahl der Mainzer Demonstrantinnen aus ganzem Herzen beipflichten.

gruppe 8. mai_ffm

mail:
gruppe8mai@gmx.net

page:
http://myblog.de/gruppe8.mai


[1] vgl. http://www.hagalil.com/archiv/2004/10/beirut.htm
27.2.05 23:02
 



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung