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So wenig ein "Lichtstrahl h?rbar"* gemacht werden kann, so wenig kann der Wunsch nach Freiheit die Sorge um "unser Land" n?hren -
Einige Anmerkungen zum Aufruf der nachttanzdemo.04


Die nachttanzdemo, entstanden als wildes spektakel und protest gegen die aufr?stung der inneren sicherheit, wird auch in diesem jahr wieder zu mehr oder
weniger nachtschlafener zeit durch frankfurts stra?en ziehen. Traditionell findet sie unter aktiver beteiligung der linken bis linksradikalen szene statt. zu recht, k?nnte man meinen, verf?gt sie doch ?ber einen explizit politischen anspruch. So geizt der aktuelle aufruf wieder einmal nicht mit attacken gegen schlie?w?tige ordnungs?mter, spa?bremsende polizistInnen und abschiebungen von migrantInnen. Schon hier stellt sich die frage, wie sinnvoll und vor allem legitim es ist, solcherlei f?r sich genommen zweifelsohne berechtigte anliegen in einem atemzug zu nennen, ohne auf die divergierenden folgen des einen (n?mlich mangelnde ausgehm?glichkeiten und langeweile) und des anderen staatlichen vorgehens (todesangst, folter, mord) einzugehen. Vermutet die geneigte leserin hier noch einen lapsus, er?ffnet sich bei vollst?ndiger lekt?re der schrift ein erschreckendes bild. Nicht hemmungsloser spa? f?r alle wird verlangt, die maximalen verwirklichungsm?glichkeiten der eigenen interessen und bed?rfnisse von der gesellschaft eingefordert, nein, das erscheint den autorInnen vermutlich als zu niedrige aufgabe. Ihnen geht es um h?heres, so hoch dass uns geradezu schwindlig wird. Offenbar z?hlt man sich selbst zu den im aufruf erw?hnten menschen, die "schicksale und ideen" vorweisen k?nnen, wegen des geldes aber "auf der strecke bleiben". Wenn idee und schicksal zusammenkommen entsteht ein gebr?u voller tragik und tiefe, das wissen wir seit richard wagner, und oberfl?chliche konsummenschen, repr?sentiert durch "gecastete bands" und "gesponserte beachclubs", stehen solch wesentlichen und wesenhaften eigenschaften des daseins im wege. Die r?ckbesinnung auf echte werte werde von
der kommerzialisierten "gesellschaft des scheines" verhindert. Bereits hier ?u?ert sich ein falsches gesellschafts-verst?ndnis, welches das kapitalverh?ltnis in den ph?nomenen geld und gro?industrie verdinglicht, anstatt von einem subjektlosen, total gewordenen prozess der selbstverwertung des werts auszugehen.

Nur mittels des eingeschr?nkten kapitalismusbegriffs ist zu erkl?ren, wieso bereits im bestehenden sph?ren ausgemacht werden, die angeblich frei von "kommerzialisierung" existieren, n?mlich kulturen, die "zu verstehen, zu respektieren und zu integrieren [sind], ohne dabei ihre eigenst?ndigkeit und individualit?t zu untergraben". Folglich kann der nachttanzdemo-aufruf auch nicht
mehr an der mainstream-variante der multikulturellen ideologie kritisieren als dass jene ihr interesse an fremden kulturen nur heuchele, lediglich links ant?usche um rechts einen doppelpass mit dem standort zu spielen (wir erinnern uns: eine gesellschaft des scheinens!). Hingegen reklamiert die nachttanzdemo offenbar die repr?sentation des wahren multikultitums f?r sich und w?hnt sich dabei progressiv, ohne eine kritik am linksliberalen d?nerpizzabauchtanzfreundInnen-gebaren zu formulieren. Damit wird die hegemoniale denkfigur von kultur als unabl?sbarer, ?berindividueller wesenseigenschaft jedes menschen affirmiert. Auf dieser grundlage ist weder eine analyse der je spezifischen konterrevolution?ren auspr?gungen noch eine benennung des allgemeinen charakters von kultur als kollektivem zwangsverband, der individuen in eine durch die vergangenheit legitimierte h?lle von tradition und ritual zw?ngt, m?glich. Wohin das f?hrt wird weiter unten deutlich werden.

Der zu beginn des aufrufs scheinbar herb gescholtene standort erweist sich am ende denn paradoxerweise als best friend of the nachttanzdemo. So wird schon mit der klage ?ber den umzug der akademie f?r k?nste von frankfurt nach bensheim an den lokalpatriotismus der jungen wilden appelliert. In einem weiteren abschnitt offenbart sich denn vollends der reaktion?re gehalt des geschreibsels: der ach so lebendige und virile untergrund fungiert nicht, wie zu vermuten gewesen w?re, als selbstzweck oder vorgezogene utopie gegen das schlechte bestehende, er soll mittels seiner quirligkeit und innovationsf?higkeit "entscheidende kulturelle impulse" geben und die "ver?dung der kulturlandschaft verhindern". Nach diesem muster l?uft die kulturindustrie seit jahren wie geschmiert: die szene DIY`t vor sich hin, und sobald ein neuer f?r den differenzkapitalismus verwertbarer style in sicht ist, schnappen die majorlabels zu und bringen f?r einen sommer 2step-sampler oder drum`n bass-compilations von der stange in die plattenl?den. Auf jene altbew?hrte rolle als zulieferbetrieb f?r die musikindustrie, an der in anderen passagen des aufrufs lediglich dezent herumgem?kelt wird, wollen sich die verfasserInnen also beschr?nken.
Offenbar sehen sie diesen status jedoch bedroht, denn nun schlagen sie den weg ein, den alle guten b?rgerInnen gehen, wenn sie in existentielle n?te geraten:
sie appellieren ungeniert an den staat und die nation. "Ohne freischaffende und
-denkende kulturszene w?re unser land um einiges ?rmer", schreiben sie. Ohne
wenn und aber eine nationalistische argumentationsfigur, die keineswegs zuf?llig in den text gerutscht ist. Schon die st?ndige entgegenstellung von kultur, welche authentisch und produktiv zu sein hat, und dem k?nstlichen kommerz der seelenlosen castingbands ist einschl?gig codiert. Das anmahnen von "respekt" gegen?ber anderen kulturen erm?glicht schlussendlich die mit gutem gewissen vorgetragene affirmation der eigenen kultur, einen ehrbaren nationalismus. untrennbar verbunden mit der herausbildung eines nationalen kollektivs ist die notwendigkeit, eine identit?t zu erheischen, also etwas im sein stillzustellen und ein wir-gef?hl zu kreieren, wie es derzeit von heppner/van dyk mit ihrem volksseelenmassierenden song "wir sind wir", der die gleichung des todes bereits im titel enth?lt, vorexerziert wird. So verlangt es auch der nachttanzdemo nach einer "gesunden, sich weiterentwickelnden, kulturellen identit?t und einem angemessenen kulturellen selbstbewusstsein". ?ber eine gesunde - nicht kranke - identit?t verf?gen die deutschen jedoch bereits, sie ?u?ert sich wenn trotz bzw. wegen friedenssehnsucht jugoslawien bombardiert wird, trotz/wegen multikulti-fandom "unn?tze" migrantInnen abgeschoben und trotz/wegen sozialer marktwirtschaft leute in arbeit und armut gezwungen werden. dass ausgerechnet menschen, die sich angeblich gegen derlei unsch?ne sachverhalte stellen, an der aufrechterhaltung und st?rkung der gesch?ftsgrundlage des falschen ganzen arbeiten, ist paradox. Aus diesem grund bleibt es auch in zukunft unser ziel, solche sich kritisch d?nkenden unkritischen mit unseren argumenten zu versorgen, in der hoffnung die eine oder andere m?ge darin einen ansto? sehen, um sich zu einer tats?chlich radikalen gesellschaftskritikerin zu entwickeln.

Gegen Nationalismus und deutsche Ideologie - f?r den Kommunismus!

gruppe 8. mai ___ ffm

* alle in "" gesetzte zitate sind dem aufruf entnommen, nachzulesen unter
http://www.kulturoffensive.org
26.2.05 16:59
 



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