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Die Linkspartei kegelt für Deutschland!

Flugblatt, verteilt bei einer Wahlkampfveranstaltung der Linkspartei mit Gregor Gysi, Oskar Lafontaine, Wolfgang Gehrcke, MellowMark und weiteren am 01.09.2005 in Frankfurt/M.

Wie alle Anderen ...
Eine Partei ist eine Partei ist eine Partei ist ein Ausschuss zur Aufrechterhaltung und Verbesserung des organisatorischen Ablaufs der bestehenden Gesellschaft. Die bestehende Gesellschaft ist der in konkurrierenden Nationalstaaten organisierte Kapitalismus. Wer sich in Form einer Partei zusammenfindet, zeigt sich also in aller Regel schon a priori mit der Misere, der D?rftigkeit, in der wir t?glich leben, grunds?tzlich einverstanden, hat maximal noch an einigen Details etwas auszusetzen. So auch die Linkspartei, die ihren Konformismus kongenial in den Parolen ?Arbeit soll das Land regieren?, ?Arbeit f?r alle? oder dem aktuellen Wahlplakat ?Ein-Euro-Jobs nein ? Lohnarbeit ja!? bezeugt. Die Lohnarbeit, jene Institution, die jeden Tag weltweit Milliarden von Menschen langweilt, ausbeutet, physisch und psychisch abnutzt und mit fr?hmorgendlichem Weckerklingeln terrorisiert, diese zentrale Kategorie der Herrschaft des Kapitals, soll keineswegs abgeschafft, aufgehoben oder zumindest eingeschr?nkt werden ? nein, alles soll so bleiben wie es ist, lediglich die Bezahlung darf nicht unter eine willk?rlich als menschenw?rdig bestimmte Grenze fallen ? zumindest f?r Deutsche. Dabei stellt die Linkspartei schon jetzt in der Debatte um den Mindestlohn ihren Regierungsf?higkeit demonstrierenden Willen unter Beweis, je nach Kapitalbedarf und Staatsr?son Kompromisse von einer Art einzugehen, die sie, wie bei den Koalitionen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern bereits gegl?ckt, g?nzlich ununterscheidbar von der angeblichen ?Allparteienkoalition des Neoliberalismus? machen. Nein, radikale Einschnitte, ein Umsturz oder wenigsten ein klein bi?chen Chaos ist von der Linkspartei, entgegen der aus dem konservativen Lager zu vernehmenden Hetze, leider nicht zu erwarten. Selbst die Parteijugend stellte ihre Kampagne f?r Drogenlegalisierung zwecks Erhalt der Wahlchancen unter dem Signum des politischen Verstandes ein, als sich das erste Anzeichen ?ffentlichen Protests regte.

Mehr schlecht als recht(s)!?
Bei der Feststellung, zu den 28 realexistierenden Parteien habe sich nun eine irrelevante 29. gesellt, k?nnte es belassen werden, w?rde sich die Forderung nach Arbeitspl?tzen f?r alle nicht in eine ganz spezielle Ideologie eingliedern, die wir die trinitarische Formel des Alten Europa nennen m?chten: die allseitige Anerkennung der Produktivit?t gilt als Grundbedingung der sozialen Gerechtigkeit, und auf jener Gerechtigkeit beruht der Frieden, der in der Welt einkehren solle. Darin verbirgt sich ein Ideal von Gemeinschaft, welches real existierende Widerspr?che nicht austragen, sondern mittels der Verf?tterung einiger finanzieller Brosamen und harmonistischer Vers?hnungsrhetorik die vorhandenen Antagonismen verschleiert. Wer sich scheinbar nicht in das ?sthetisierte Kollektiv eingliedert, sich wie derzeit etwa diverse gro?e Unternehmen den Vorwurf der Steuerflucht und Arbeitsplatzvernichtung einhandelt, wird als ?Schmarotzer? gebrandmarkt.
Diese offenbar Gemeinschaftsfremden erregen ?ffentliches ?rgernis, weil sie in ihrem angeblich z?gellosen, egoistischen Bereicherungsdrang die sensibel austarierte soziale Gerechtigkeit missachteten, und k?nnten ob ihrer Macht nur noch von einem starken Staat gez?gelt werden. Da der Staat als die per definitionem gewaltt?tigste Institution im Lande zwar nicht f?r seine B?rgerinnen da ist, aber doch auf ihnen aufbaut und ihnen einiges ? bis hin zu ihrem Leben ? abverlangt, appelliert er gerne an die nationale Identit?t, um soziale Konflikte in den Griff zu bekommen. So auch die Linkspartei im Allgemeinen und Oskar Lafontaine im Besonderen, dem die steuerfl?chtenden Reichen nicht etwa blo? als Unsympathen, sondern gleich als ?Vaterlandsverr?ter? gelten.

R?stung gegen USA und Israel.
Doch damit der nationale Haushalt nicht aus der Balance ger?t, muss die Zahl der ausl?ndischen stets ?ber derjenigen der inl?ndischen Volksfeinde liegen. Diese Rechnung leuchtet auch der Linkspartei ein, und so ruft sie heute, am 01.09., zum Kampf gegen Kriegstreiber auf, und allen ist klar, welche Feinde des Friedens gemeint sind. Wei? sich doch sp?testens seit dem letzten Irak-Krieg die Nation geeint gegen die USA, die dem antiamerikanischen Wahn nicht nur die ?Herrschaft des Geldes statt des Volkes?, sondern auch das ?ungeschminkte Verlangen nach Weltherrschaft? [Lafontaine] symbolisieren, weshalb der heute auftretende Rapper Mellow Mark schon mal in v?lkischer Manier gegen die Verbreitung
?US-amerikanischen Erbgens? wettert. Als friedlich im linksparteilichen Sinne hingegen gilt der von Lafontaine anvisierte Ausbau der EU-Armee, seine Pl?ne zur Forcierung eines Kerneuropas und die von Lothar Bisky protegierte Einrichtung eines historisch orientierten ?Zentrums gegen Vertreibung?. Voll auf Linie liegt darum die Agitation gegen die heutigen ?Vertreibungen? durch Israel, wie sie von Lafontaine (?J?rgen M?llemann ist kein Antisemit?) und Wolfgang Gehrcke vorangetrieben wird, und vor zwei Jahren die PDS sogar zu der ?berlegung f?hrte, ob nicht trotz aller pazifistischer Rigidit?t ein UN-Einsatz unter deutsche Beteiligung in Israel w?nschenswert sei. Die Delegierung der Schuld am Antisemitismus an die Juden durch Norman Paech, dem Spitzenkandidaten in Hamburg, oder die performative Verausl?nderung der ?j?dischen Mitb?rger?, die ?wir? nicht ?m?gen m?ssen?, durch Lafontaine rundet das Gruppenbild ab ? deutsch-europ?ische Einigkeit gegen US-Arroganz, israelische Brutalit?t und polnisches Klempnerwesen. Die so alternativ daherkommende Vision der Genossinnen entpuppt sich als lediglich sozial aufgemotzte Variante eines bierseligen, denk-verweigernden, auf Ausschluss von J?dinnen, Migrantinnen und anderen ?Fremden? basierenden Kollektivs. Bei der Linkspartei ist also nicht das Ticket in eine bessere Welt zu l?sen, vielmehr nimmt sie als Passagier zweiter Klasse teil an der katastrophalen Reise nach Nirgendwo und w?re als Part dieses Zuges zum Entgleisen zu bringen.


W?hlt den Kommunismus!
Gruppe 8. Mai

1.9.05 14:38
 



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