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Willkommen in meinem Weblog!
26.2.05 16:38


gegen gegen den deutschen friedensmob!
[februar 2003]

beobeobachtete mensch in den letzten tagen eine der zahlreichen sogenannten
friedensdemos, fiel neben der breite des teilnehmerinnenspektrums (von autonomen, k-gruppen, hippies ?ber gr?ne und sozis bis hin zu nazis) vor allem eins auf: die geschw?tzige, ausgelassene und fr?hliche stimmung, welche sich in
gel?chter, gitarrengeklimper und m?chtegernlustigen parolen artikuliert. zieht mensch den traurigen anlass der zusammenk?nfte, dem irak-krieg n?mlich, von
den peaceniks als "humanit?re katastrophe" und "verbrechen gegen die menschheit" bezeichnet, in betracht, muss die festgestellte gl?ckseligkeit verwundern. hat die "friedens"bewegung den krieg, den sie ja vorgeblich verhindern bzw. stoppen will, etwa heimlich herbeigesehnt? interessiert sich entgegen den verlautbarungen, die der irakischen bev?lkerung solidarit?t verhei?en, die deutsche neopazifistin etwa gar nicht f?r das leid und die schmerzen der irakis?

kaum zu glauben ob der zurschaustellung von soviel engagement, gutmenschentum, einf?hlungsverm?gen und treffsicherem musikgeschmack. bei n?herer betrachtung jedoch lassen sich die aufgeworfenen fragen eindeutig mit ja beantworten. denn ginge es den krakeelenden massen tas?chlich um die vermeidung von kriegen im allgemeinen, dann m?ssten sie ebenso gegen den konflikt in eritrea oder den krieg im sudan, der bisher 20 millionen opfern gefordert hat, angehen. ganz zu schweigen vom kosovokrieg, als die brd die zerschlagung jugoslawiens herbeibombte. solche ereignisse konnten bisher in deutschland kaum eine h?ndin hinter dem ofen hervorlocken, geschweige denn gro?demonstrationen
ausl?sen. auch die massaker, giftgasangriffe und die unterst?tzung antisemitischer
suicide bomber von seiten des baath-regimes

erregten die sensiblen gem?ter hierzulande nicht. optimistinnen und menschenfreunde k?nnten an dieser stelle einwenden, die deutschen h?tten nun aus ihren vers?umnissen der letzten jahre gelernt und w?rden in zukunft bei jedem
sich bietenden anlass ihre humanit?re gesinnung einbringen. doch leider tr?gt
diese hoffnung, denn warum in aller welt wird auf keiner der wohlf?hlkuschelmanifestationen die forderung nach aufnahme aller vor der baath-diktatur fl?chtenden erhoben? stattdessen rennt mensch lieber den friedensf?hrern schr?derfischerschily hinterher, die die senkung der aufnahmequote f?r ebenjene verfolgten von 65% auf 10% innerhalb des letzten jahres und die militarisierung der eu zu verantworten haben. und schlussendlich: warum h?rt niemand auf die irakischen oppositionellen, auf die ?ngste, erwartungen und hoffnungen die sie mit dem amerikanischen milit?reinsatz verbinden? die antwort kann nur lauten: in wahrheit ist das schicksal der unter saddam und krieg leidenden den deutschen v?llig egal, die irakis wurden erst zum relevanten faktor, als sie als
projektionsfl?che der deutschen befindlichkeiten dienen konnten. wodurch eignen
sie sich aber pl?tzlich so hervorragend f?r jene rolle? nicht weil sie beschossen, ermordet, bombardiert werden, sondern weil sie von westlichen, von amerikanischen soldaten beschossen, ermordet, bombardiert (und m?glicherweise
befreit) werden.

germany vs. usa

folglich ist der dreh- und angelpunkt des aufstands der anst?ndigen der
antiamerikanismus. der hass auf die usa speist sich aus mehreren quellen:
einerseits gelten die usa schon seit dem 19. jahrhundert in breiten kreisen des
deutschen volkes als synonym f?r anma?ende gleichmacherei und kulturzerst?rung.
diese volkszersetzenden tendenzen entspringen angeblich aus dem merikanischen
drang nach erfolg und profit. der ami ist der materialistische geldmensch, der mit seinem verblendeten mammonismus den weltfrieden zerst?rt. in solcher, zum gro?teil antisemitischen denkweise, kann sich seit jeher der gute deutsche als volksversteher und friedensbringer konstruieren. schon adolf hitler rief "die schaffenden aller nationen" dazu auf, ihren gemeinsamen feind in den juden und den usa zu erkennen und zu vernichten. umso dem?tigender f?r die deutschen, dass es ausgerechnet die usa im verbund mit den restlichen alliierten waren, die deutschland 1945 niederrungen und teilten. daraufhin orientierte sich die offizielle brd zwar in den ersten 40 jahren ihres bestehens ?berwiegend am gro?en bruder jenseits des atlantiks, insgeheim wurde jenem jedoch die befreiung nicht verziehen und die althergebrachten antizivilisatorischen ressentiments wirkten untergr?ndig fort. mit der einverleibung der ddr schwoll das teutonische wir-gef?hl betr?chtlich an und die sich immer h?her schraubenden debatten um die nationale identit?t rissen nicht mehr ab. wurde in den vergangenen jahren schon die frage nach der ehre der wehrmacht, des ?berdrusses an auschwitz und dem "wie" der "israelkritik" durchgenudelt, so scheint sp?testens seit dem 11.9. und dem irak-krieg der offene bruch mit dem einstigen verb?ndeten usa auf der tagesordnung zu stehen. deutsch-europa soll, so fordern es die feuilletons, kommentatorinnen und kanzlerberaterinnen, endlich zur supermacht aufsteigen und damit den dritten anlauf zur weltherrschaft unternehmen.
moralisch verschwurbelt und mit pazifistischer rhetorik unterlegt, bringt
die friedensbewegung genau solchen deutschen gr??enwahn zum ausdruck. sie
verharmlost den nationalsozialismus und dessen massenbeteiligung, wenn eine
rednerin auf einer frankfurter demo behauptet, "wie heute in bagdad lagen damals
vor 55 jahren hier die leichen" und suhlt sich damit zugleich in opferphantasien. als opfer von (amerikanischen) attacken versp?rt mensch nach dieser logik ein gewisses bedrohungsgef?hl, welches von einer anderen rednerin mit den worten "herr bush, sie bedrohen uns als friedensbewegte alle" zur sprache gebracht wird. wer aber, wie die deutschen, erniedrigt, in die ecke gedr?ngt und angegriffen wird, darf, ja muss sich zur wehr setzen. solch legitime gewaltaus?bung wird denn folglich auch massiv propagiert, die amis sollen wahlweise vertrieben werden ("yankee go gome"), elendig verrecken ("erstickt am ?l") oder bombardiert werden ("war is not the answer- bomb bush not iraq"). hinter dem deutschen ruf nach frieden verschanzen sich also tats?chlich die m?rder, n?mlich die der als amerikanisch und j?disch imaginierten. demzufolge verbietet sich das mitmachenwollen beim volksaufstand, und sei es noch so kritisch intendiert, f?r all jene die noch an ein gutes leben jenseits von vezichtsdenken, kollektivwahn und deutschland glauben.

TURN GERMANY INTO US-PROTEKTORAT!

KEINE FRITTEN F?R ANTISEMITEN!

F?R DEN GLOBALEN KOMMUNISMUS!


visdp: gruppe 8. mai [ffm]
26.2.05 16:43


Zwei oder drei Gedankensplitter zum aktuellen Magdeburg-Hype

Wie alles begann:
In Magdeburg werden mehrere Anschl?ge auf staatliche Institutionen (BGS) und
Filialen von Gro?konzernen ver?bt. Die Bullen nehmen drei angeblich
Verd?chtige aus der autonomen Szene fest, die Staatsanwaltschaft ermittelt nach
Paragraph 129 a wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung

Was danach geschah:
In Magdeburg bildet sich eine Soligruppe (www.soligruppe.de), die
Unterst?tzungsarbeit f?r die Kriminalisierten leisten will. Eine bundesweite Gro?demo
wird angesetzt, in vielen St?dten finden im Vorfeld Infoveranstaltungen statt,
Busse werden organisiert, Hassis und Handschuhe bereitgelegt. In Anbetracht
der Marginalisierung der Linken wird sehr viel Energie in das Projekt ?zur
Verteidigung linker Politik? investiert.

Was daran verkehrt ist:
Zum einen verwundert die Geschlossenheit, mit der weite Teile der ansonsten
so zerstrittenen radikalen Linken nach Magdeburg aufrufen. So werden etwa die
ansonsten bevorzugt (und zu Recht) Israelfahnen-schwenkenden Antideutschen
der AANO gemeinsam mit den Antisemiten der BANG und anderen regressiven
Linksradikalen marschieren. Anwesend sein wird wohl auch der Magdeburger, der als Teil seiner im Vergleich zu anderen St?dten besonders r?ckst?ndigen Szene im
lokalen ?St?renfried? kommentierte, es w?re besser gewesen Deutschland in den
40er Jahren nicht zu bombardieren, dann h?tten die Deutschen zwar die Juden
restlos vernichtet aber immerhin die Chance zur Selbstbefreiung gehabt. Selbst
der Aufruf der ?ber diese klugen Worte sicherlich erfreuten Nazis von festungsstadt.com, sich an der Demo zu beteiligen, da der Kampf von Marco, Daniel und Carsten auch der ihre sei, scheint niemanden aus der Ruhe zu bringen und wird im Demo-Newsletter trocken mit den Worten ?Es wird also damit zu rechnen sein, dass Nazis auftauchen? kommentiert. Scheinbar bedingungslos wird sich mit den Gefangenen solidarisiert, weder ihre Taten noch die dahinterstehende
Ideologie werden einer ?ffentlichen Kritik unterzogen. Dabei verdiente die
absurde Idee, mitten in v?llig bewegungsflautigen Zeiten militant und im
gr??eren Ma?stab staatliche und ?kapitalistische? Einrichtungen anzugreifen,
durchaus scharfen Widerspruch. Ebenso die Beschwerde eines der Gefangenen in einem Offenen Brief bei Indymedia, dass Gruppen wie die ETA, die PKK oder die
pal?stinensische PFLP mit dem Terrorparagraph belegt w?rden. Die gleichzeitige
Abwesenheit von distanzierenden ?u?erungen l?sst nur den Schluss zu, dass der
Geknastete sich prinzipiell mit den Zielen der v?lkisch-stalinistischen PKK oder
der antisemitischen PFLP im Einklang sieht. Sp?testens dann sollten sich ernstzunehmende Linke fragen, wieso die betroffenen Personen mehr Unterst?tzung
verdient haben als jede x-beliebige Gefangene, die wegen Diebstahl, Drogengesch?ften oder Betrug dem Freiheitsentzug unterworfen wird.
In der f?r den Magdeburg-Diskurs konstitutiven Abwesenheit von Kritik zeigt
sich ein Versagen der Beteiligten, die als alles ?berragendes Patentrezept eine omin?se Solidarit?t, oft verpackt in den Worten ?Kraft und Liebe den Gefangenen?, hochhalten. Doch was verbirgt sich in diesem und vielen anderen F?llen hinter dem Begriff der Solidarit?t mehr als die Einforderung der reibungslosen Mobilisierung f?r das eigene Kollektiv und die Schaffung einer homogenen
Gemeinschaft in Abwehr des ?u?eren Feindes, wie sie sich in ihrer prinzipiellen Struktur nicht von Ph?nomenen wie Nationalismus oder Lokalpatriotismus unterscheidet? Die Installation eines solchen Zwangsverh?ltnisses dient im
verhandelten Beispiel angeblich einer h?heren Sache, der Verteidigung der
Gesch?ftsgrundlage linksradikaler Politik, die doch vom Staat, w?re er daran interessiert, m?helos und ohne gro?en Widerstand in k?rzester Zeit unm?glich gemacht werden k?nnte. Egal ob bewusst oder nicht wird mit dem beunruhigend
formierten Vorgehen tendenziell jegliche Reflektionsf?higkeit abgeschnitten, um die
Illusion einer guten weil ungeachtet der jeweiligen Inhalte gemeinsam k?mpfenden Szene aufrechtzuerhalten.
Dass ausgerechnet der Kampf gegen den Staat und seine Repressionsorgane
Linke in gr??erem Ma?stab auf die Beine zu bringen vermag, wo sich sonst kaum
mehr als 200 Leutchen zum Demonstrieren bewegen lassen, ist typisch f?r ein
simples Weltbild der Mehrheitslinken, die Unterdr?ckung vorwiegend im Polizeikn?ppel und Ausbeutung in der Zigarre des Unternehmers materialisiert sieht und ?den Herrschenden?/der Macht ein diffuses ?wirhierunten? entgegenh?lt.
Stattdessen g?lte es, die grundlegende Konstituierung der Gesellschaft und all ihrer
Verh?ltnisse durch kapitalistische bzw. spezifisch deutsche (Denk-)Formen zu
analysieren. Die ressentimentgeladene Fixierung auf wenige Gro?akteure gleich welcher Art m?sste transformiert werden in die Erkenntnis, dass kein Au?erhalb der Gesellschaft existiert und somit genauso gut Kleinbetriebe, Schl?sseldienste, P?rchenbeziehungen und Altersheime zum Ziel emanzipativer Kritik werden k?nnen. Ebenso n?tig w?re eine offensive Positionierung gegen die Zumutungen des deutschen Mobs, die sich in Stammtischwitzen, BILD-Kampagnen und
Fussballstadien artikulieren und als deren Zielscheibe ?berwiegend nicht Linke,
sondern meist in wesentlich brutalerer Form ?Volksfeinde? wie AsylbewerberInnen, J?dInnen oder Sozialschmarotzer herhalten m?ssen. Bezeichnend, dass gerade
in j?ngster Zeit die Attacken auf Michel Friedman oder Florida-Rolf weitgehend mit Schweigen oder heimlicher Sympathie begleitet wurden, w?hrend die Verhaftung dreier als M?chtegern-Terroristen Gehandelter zu einem gro?en
Aufschrei f?hrt.
26.2.05 16:48


Liebe zu totem Holz, Hass auf lebende Juden -

?ber das "eklige Dorf" im Allgemeinen und Besonderen


1. Dorf

D?rfer - wer kennt sie nicht, diese kleinen, aus der ferne harmlos wirkenden
ansammlungen von 30-300 h?usern, zwischen denen eine b?ckerei, eine
metzgerei, eine tankstelle und ein onkel-emma-laden angesiedelt wurde. So
dahingetupft in eine idyllische landschaft erscheinen sie der fl?chtigen betrachterin
als ideale orte des der harmonie, der erholung, des r?ckzugs und des ungetr?bten wassers. Wie stets tr?gt der schein.
Bei n?herem hinschauen stellt sich die erkenntnis ein, dass ein ?der haufen dem n?chsten gleicht wie ein h?hnerei dem anderen. ?berall stehen die selben zweist?ckigen einfamilienh?user mit terrasse und vorgarten, fein s?uberlich durch einen zaun vom n?chsten grundst?ck abgetrennt, in deren fenster infantile "kunstwerke" h?ngen und an deren eingangst?ren die namen m?llermeierschmitt
zu lesen sind. Die dort einquartierte jugend, die dorfjugend, unterscheidet sich ebensowenig voneinander: mofa, bluejeans, hardrock (seit kurzem: deutschrap), h?ssliche frisuren lauten die hegemonialen koordinaten. Das pseudoaufm?pfige jungbauerntum, welches sich am wochenende in ?berm??igem alkoholkonsum
ergeht, stellt den lediglich generationsbedingten gegenpart zu den spie?igen
erwachsenen dar. Letztere gehen monoton tagein tagaus ihrer arbeit bei der steuerberatung oder in der im einzigen industriegebiet des ortes angesiedelten
kerzenfabrik nach, sind seit 30 jahren mit dem selben partner verheiratet und w?rden nie in der ?ffentlichkeit schlecht ?ber die nachbarn reden (hinter vorgehaltener hand daf?r umso mehr).

Was lustig klingen mag oder als letzten endes harmloses, getrost zu ignorierende ?sthetische verbrechen in leider nicht unbetr?chtlichem geographischem ausma?e abgetan werden k?nnte, ist es trotz - und wegen - der treudoof-unpolitischen oberfl?che nicht. Es handelt sich um das nahezu bruchlose weiterbestehen von bedingungen, die auschwitz erm?glicht haben: Konstitutiv f?r die rurale szenerie ist die herausbildung einer dorfgemeinschaft, bestehend aus heterosexuellen wei?en m?nnern (auch frauen, denen allerdings meist ein platz an der seite eines mannes zugewiesen wird), die in der regel auf dem abstammungsprinzip beruht und hierarchisch gestaffelt ist. Neben ?konomischen faktoren bestimmt sich die rangordnung ?ber die lautst?rke der stimme und die gr??e der faust, mit der auf den h?lzernen k?chentisch zu hauen fr?h einge?bt wird. Die dominanz der lokalplatzhirsche und stammtischreiter stellt sich als strukturelle dar, die zwar st?ndig durch vielerlei praxen reproduziert, jedoch nur in ausnahmef?llen mittels direktem physischem zwang bis hin zu folter und mord durchgesetzt werden muss. Vielmehr kommt ihr eine selbstverst?ndlichkeit zu, die eine offene artikulation weitgehend ?berfl?ssig macht, was die brutalit?t der zust?nde kaum mildert. Menschen mit "abweichendem" sexuellen begehren oder nicht koh?renter "geschlechtsidentit?t", intellektuelle, migrantInnen, obdachlose, linke wissen um die hegemonie des ressentiments, verringern ihre ?ffentliche sichtbarkeit daher so weit als m?glich oder ziehen in die gro?stadt, wo sie sich zumindest in die jeweilige szene einklinken k?nnen. Die scheinbare gem?tlichkeit des landlebens beruht also auf dem ausschluss des "anderen", nicht-identischen, der in letzter konsequenz immer die juden anvisiert. In ihnen sieht die/der l?ndliche mittelstandsdeutsche projektiv s?mtliche verhassten eigenschaften vereint: kosmopolitische freiz?gigkeit und ausbruch aus dem begrenzten wirkungsraum, sexuelle ausschweifung und reichtum ohne arbeit, ?bertreten der althergebrachten ordnung und rationale verfolgung eigener interessen ohne verzicht f?r die gemeinschaft, kurzum: gl?ck in gr??tm?glicher anh?ufung. Aufgrund der vor 60 jahren begangenen untaten kommen juden den l?ndlern jedoch ?u?erst selten zu gesicht. Wenn ihr regressiver einfaltspinselzorn dann und wann einmal ausbricht, etwa anl?sslich von alkoholseligem sch?tzenfest oder fussballspiel, findet er im normalfall gen?gend andere objekte, an denen abzureagieren sich lohnt. Zu nennen sind sogenannte zugezogene, nicht im dorf verwurzelte, die oft auch nach 20 jahren noch nicht den n?tigen stallgeruch aufweisen k?nnen; die aus der ex-udssr eingewanderten "aussiedler", die unter dem verdacht der mafiabet?tigung stehen; oder nat?rlich richtige fremde wie "neger" und "asylanten", deren oftmals geballtes vorkommen in form von heimen die g?nstige gelegenheit gibt, die im schulsport erworbenen wurfkenntnisse auszunutzen und kleine freudenfeuer zu veranstalten.

2. Hohmann

?hnliche vorg?nge sind aus dem ?rtchen neuhof bei fulda in osthessen in
deutschland zu vermelden, wo der katholizismus sein unbarmherziges regiment
f?hrt. Dort wurde von der lokalen cdu solange gegen einen t?rkischen metzger
gehetzt, bis dessen laden mit hakenkreuzen beschmiert und verw?stet wurde und das gesch?ft schlie?en musste. Teilhabe an der propaganda kann martin hohmann f?r sich reklamieren, der lange jahre den posten des b?rgermeisters ausf?llte
und auch heute noch, als f?r seine antisemitischen phantasien bundesweit
bekannter bundestagsabgeordneter, nichts von seiner popularit?t in ort und region
eingeb??t hat. Bei einer abstimmung der fuldaer zeitung votierten 88% der
anruferInnen f?r den verbleib hohmanns in der cdu-fraktion. Die leute, die da
unten, f?hlen sich von dem gestandenen mann w?rdig repr?sentiert: autorit?re
charaktere die sie sind f?rchten sie sich davor ihre angelegenheiten selbst in
die hand zu nehmen, ebenso treibt sie die angst vor allerlei omin?sen sprechverboten und angeblichen tabus, die ihnen nicht recht einsichtig sein wollen. Deswegen laben sie sich an der direkten sprache, die "ihr martin" an ihrer
statt findet, wenn es um das beherzte draufschlagen und den rundumschlag im
karussell der ressentiments geht. Kein element des faschistoiden weltbildes l?sst
der ideelle gesamtneuh?fer aus, wenn er mal wieder ans rednerpult schreitet:
seien es die homosexuellen, die f?r den bev?lkerungsr?ckgang verantwortlich
gemacht werden und dekadenz, zersetzende moderne in die provinz bringen, ja
geradezu einschleppen. die frauen, die abtreiben und damit ebenso jeden tag
das hei?geliebte volk dem tod durch aussterben einen schritt n?her bringen. Die
medien, die in ihrer profitlogik nur auf skandalmacherei aus sind und f?r einen schnellen euro ein ganzes dorf zu unrecht in den dreck ziehen, quasi "mit
der antisemitismuskeule erschlagen." Die hinten ihnen stehenden strippenzieher, die aus durchsichtigem interesse (wer w?sste nicht was gemeint ist!?) eine hetzkampagne angeordnet haben. Die unf?higen schw?tzer in den parlamenten,
die eine "politikerverdrossenheit" erzeugen, weil sie das volk nicht gut regieren, ihm nicht ausreichend aufs maul schauen, egoistisch vor sich hin materialisieren anstatt sich f?r die w?hlerInnen aufzuopfern. Nicht zu vergessen die ausl?nder, die die deutschen ent- statt wie urspr?nglich vereinbart bereichern, anstelle ihre arbeitskraft bedingungslos zur verf?gung zu stellen, also die finanziellen ressourcen der deutschen mittels ihrer bekannterma?en parasit?ren art aussaugen.

Wer am meisten saugt, dass wei? ein martin hohmann auch ganz gewi?: die juden sind es, liegen sie den deutschen doch nun schon seit mehr als einem halben
jahrhundert mit ihrem wehgeschrei in den ohren und ziehen daraus handfesten profit, w?hrend deutsche zwangsarbeiter noch immer nicht entsch?digt wurden.
Solche missst?nde k?nnen jedoch nicht behoben werden, solange das "j?dische
volk" mit einem "?berma? an wahrheit" ?ber die l?ngst vergangenen vorf?lle aufwartet, wo es als mindestens-ebenso-t?tervolk doch kein recht dazu h?tte. Die
macht der juden und des auslands, die die deutschen zu unterprivilegierten parias im eigenen land macht, muss gebrochen werden, um wieder stolz auf das vaterland demonstrieren zu k?nnen.

3. Neuhof

Eine ansehnliche, hermetisch gegen jede erfahrung und rationalit?t abgedichtete weltsicht hat sich hohmanneuhof da zusammengebastelt. Leicht aufrechtzuhalten ist das gebilde, sucht man doch untereinander immer wieder best?tigung und r?ckt angesichts des feindseligen "medienspektakels" zusammen. Durch das enge beieinanderstehen soll, man kennt den prozess aus der physik, reibung und w?rme entstehen, ein aggregatzustand den die rationalistische, b?rgerlich-
individualistische gesellschaft nicht bieten kann, was best?ndig allerlei r?ckw?rts gewandte sehns?chte hervorruft. Da die zusammenfindung zum volk von neuhof nur ?ber den gemeinsamen feind hergestellt wird, gibt sie sich jedoch gerade darin als die gr??tm?gliche menschliche k?lte zu erkennen: die hohm?nner verbindet nur das nicht(s), keine zuneigung, keine z?rtlichkeit, kein gemeinsam beschlossenes projekt f?r das es sich zu leben lohnte ist ausfindig zu machen. allein das zuf?llige dahinvegetieren auf dem selben territorium und der hass auf andere, vermeintlich gl?cklich(er)e schwei?t zusammen. Wie weit der barbarische konsens gediehen ist zeigen nicht nur die letztj?hrigen beschwerden der j?dischen gemeinde zu fulda, die sich beinahe v?llig alleingelassen f?hlte angesichts der wutsch?umenden pro-hohmann-meute. Auch schon bei kurzzeitigem flanieren durch den ort schl?gt einen die konterrevolution in permanenz ins auge: ?berdurchschnittlich viele h?user flaggen die deutschlandfahne, auf autos sind spr?che wie "stoppt tierversuche - nehmt kindersch?nder" zu lesen und am gartenzaun h?ngen selbstgeschriebene pappschilder voll trauer und empathie - f?r holzpf?hle: "Zum gedenken an die vier pfosten die in den letzten 20 jahren von lkw`s umgelegt wurden. Nur einer davon wurde bezahlt." Der am rande der hauptstra?e platzierte stein mit der inschrift "3. oktober 1990" macht die abwesenheit jeglicher zeichen des gedenken an die opfer der deutschen vernichtungstaten noch bewusster.

W?hrend der kundgebung gegen hohmanns rede am 03.10.04 schl?gt den protestierenden, die bis auf eine handvoll ausnahmen s?mtlich aus frankfurt angereist sind, von seiten der fans des katholischen fundamentalisten feindseligkeit
und hohn, letzterer gespeist aus der tatsache der numerischen ?berlegenheit,
entgegen. Nachdem zun?chst nur einzelne beleidigungen als "asoziale",
"bettn?sser" oder "juden" erklingen, ger?t das blut der local heroes richtig in
wallung, als ihre heimat in einem redebeitrag als "ekliges dorf" denunziert wird.
Eine gruppe von jung- und altm?nnern kennt nun keine zur?ckhaltung mehr, sie
drohen den "scheissern", sie sollten schon mal "ihre brillen abnehmen" um dann
"das mikro zu fressen". Dass erst ab diesem punkt eine solch starke emotionale reaktion zu beobachten ist, zeigt, wie sehr sich die einzelnen mit dem zwangskollektiv in eins setzen: eine benennung ihrer umtriebe als antisemitische
oder rassistische scheint ihnen nicht halb so schlimm wie die diffamierung ihres ortes, der gemeinschaft aus der sie den gro?teil ihrer identit?t ziehen.
Die von adorno angemahnte entbarbarisierung des platten landes, deren
dringlichkeit er unter anderem mit der b?uerlichen herkunft vieler ss-m?nner zu
belegen suchte, ist gescheitert, bevor sie ?berhaupt jemals in angriff genommen
wurde. Unterstrichen wird diese aussage durch die gespr?che mit den zwei oder drei versprengten einzelpersonen, die ihre ablehnung hohmanns in der region
?ffentlich kund taten. Der eindruck der klassen?bergreifenden einigkeit verst?rkt sich noch: all ihre verwandten, bekannten, freundInnen seien der meinung, der bundestagsabgeordnete habe recht, erz?hlt eine junge frau. Die leute seien einfach dumm, durch die bank weg dumm, meint ein anderer, der aufgrund von kritischen leserbriefen drohanrufe bekam: "judenknecht" und "judensau" wurde ihm aus dem h?rer entgegengeschleudert. Ehemalige bekannte gr??en ihn zum teil nicht mehr. Wenn er an den nationalsozialismus erinnert, wird sofort eingewandt: "Das war doch damals gar nicht so schlimm" oder "Ob`s das wirklich gegeben hat wei? man nicht". Wir allerdings wissen dass es neuhof gab und gibt, wenn uns auch der sinn, sozusagen das d?rfliche existenzrecht, nicht ganz klar ist. Wir hoffen, die geschichte m?ge einmal einen gerechten lauf nehmen und dieses dorf, in welchem holz und tiere geliebt und zugleich juden und fremde gehasst werden, seinem verdienten ende zuf?hren. Da diese entscheidung nicht in unserer allzu bescheidenen macht liegt k?nnen wir nur auf h?here gewalten hoffen. Die oderflut sei der osthessischen provinz beispiel und warnung zugleich.

gruppe 8. mai

kontakt: gruppe8mai@gmx.net
26.2.05 16:55


So wenig ein "Lichtstrahl h?rbar"* gemacht werden kann, so wenig kann der Wunsch nach Freiheit die Sorge um "unser Land" n?hren -
Einige Anmerkungen zum Aufruf der nachttanzdemo.04


Die nachttanzdemo, entstanden als wildes spektakel und protest gegen die aufr?stung der inneren sicherheit, wird auch in diesem jahr wieder zu mehr oder
weniger nachtschlafener zeit durch frankfurts stra?en ziehen. Traditionell findet sie unter aktiver beteiligung der linken bis linksradikalen szene statt. zu recht, k?nnte man meinen, verf?gt sie doch ?ber einen explizit politischen anspruch. So geizt der aktuelle aufruf wieder einmal nicht mit attacken gegen schlie?w?tige ordnungs?mter, spa?bremsende polizistInnen und abschiebungen von migrantInnen. Schon hier stellt sich die frage, wie sinnvoll und vor allem legitim es ist, solcherlei f?r sich genommen zweifelsohne berechtigte anliegen in einem atemzug zu nennen, ohne auf die divergierenden folgen des einen (n?mlich mangelnde ausgehm?glichkeiten und langeweile) und des anderen staatlichen vorgehens (todesangst, folter, mord) einzugehen. Vermutet die geneigte leserin hier noch einen lapsus, er?ffnet sich bei vollst?ndiger lekt?re der schrift ein erschreckendes bild. Nicht hemmungsloser spa? f?r alle wird verlangt, die maximalen verwirklichungsm?glichkeiten der eigenen interessen und bed?rfnisse von der gesellschaft eingefordert, nein, das erscheint den autorInnen vermutlich als zu niedrige aufgabe. Ihnen geht es um h?heres, so hoch dass uns geradezu schwindlig wird. Offenbar z?hlt man sich selbst zu den im aufruf erw?hnten menschen, die "schicksale und ideen" vorweisen k?nnen, wegen des geldes aber "auf der strecke bleiben". Wenn idee und schicksal zusammenkommen entsteht ein gebr?u voller tragik und tiefe, das wissen wir seit richard wagner, und oberfl?chliche konsummenschen, repr?sentiert durch "gecastete bands" und "gesponserte beachclubs", stehen solch wesentlichen und wesenhaften eigenschaften des daseins im wege. Die r?ckbesinnung auf echte werte werde von
der kommerzialisierten "gesellschaft des scheines" verhindert. Bereits hier ?u?ert sich ein falsches gesellschafts-verst?ndnis, welches das kapitalverh?ltnis in den ph?nomenen geld und gro?industrie verdinglicht, anstatt von einem subjektlosen, total gewordenen prozess der selbstverwertung des werts auszugehen.

Nur mittels des eingeschr?nkten kapitalismusbegriffs ist zu erkl?ren, wieso bereits im bestehenden sph?ren ausgemacht werden, die angeblich frei von "kommerzialisierung" existieren, n?mlich kulturen, die "zu verstehen, zu respektieren und zu integrieren [sind], ohne dabei ihre eigenst?ndigkeit und individualit?t zu untergraben". Folglich kann der nachttanzdemo-aufruf auch nicht
mehr an der mainstream-variante der multikulturellen ideologie kritisieren als dass jene ihr interesse an fremden kulturen nur heuchele, lediglich links ant?usche um rechts einen doppelpass mit dem standort zu spielen (wir erinnern uns: eine gesellschaft des scheinens!). Hingegen reklamiert die nachttanzdemo offenbar die repr?sentation des wahren multikultitums f?r sich und w?hnt sich dabei progressiv, ohne eine kritik am linksliberalen d?nerpizzabauchtanzfreundInnen-gebaren zu formulieren. Damit wird die hegemoniale denkfigur von kultur als unabl?sbarer, ?berindividueller wesenseigenschaft jedes menschen affirmiert. Auf dieser grundlage ist weder eine analyse der je spezifischen konterrevolution?ren auspr?gungen noch eine benennung des allgemeinen charakters von kultur als kollektivem zwangsverband, der individuen in eine durch die vergangenheit legitimierte h?lle von tradition und ritual zw?ngt, m?glich. Wohin das f?hrt wird weiter unten deutlich werden.

Der zu beginn des aufrufs scheinbar herb gescholtene standort erweist sich am ende denn paradoxerweise als best friend of the nachttanzdemo. So wird schon mit der klage ?ber den umzug der akademie f?r k?nste von frankfurt nach bensheim an den lokalpatriotismus der jungen wilden appelliert. In einem weiteren abschnitt offenbart sich denn vollends der reaktion?re gehalt des geschreibsels: der ach so lebendige und virile untergrund fungiert nicht, wie zu vermuten gewesen w?re, als selbstzweck oder vorgezogene utopie gegen das schlechte bestehende, er soll mittels seiner quirligkeit und innovationsf?higkeit "entscheidende kulturelle impulse" geben und die "ver?dung der kulturlandschaft verhindern". Nach diesem muster l?uft die kulturindustrie seit jahren wie geschmiert: die szene DIY`t vor sich hin, und sobald ein neuer f?r den differenzkapitalismus verwertbarer style in sicht ist, schnappen die majorlabels zu und bringen f?r einen sommer 2step-sampler oder drum`n bass-compilations von der stange in die plattenl?den. Auf jene altbew?hrte rolle als zulieferbetrieb f?r die musikindustrie, an der in anderen passagen des aufrufs lediglich dezent herumgem?kelt wird, wollen sich die verfasserInnen also beschr?nken.
Offenbar sehen sie diesen status jedoch bedroht, denn nun schlagen sie den weg ein, den alle guten b?rgerInnen gehen, wenn sie in existentielle n?te geraten:
sie appellieren ungeniert an den staat und die nation. "Ohne freischaffende und
-denkende kulturszene w?re unser land um einiges ?rmer", schreiben sie. Ohne
wenn und aber eine nationalistische argumentationsfigur, die keineswegs zuf?llig in den text gerutscht ist. Schon die st?ndige entgegenstellung von kultur, welche authentisch und produktiv zu sein hat, und dem k?nstlichen kommerz der seelenlosen castingbands ist einschl?gig codiert. Das anmahnen von "respekt" gegen?ber anderen kulturen erm?glicht schlussendlich die mit gutem gewissen vorgetragene affirmation der eigenen kultur, einen ehrbaren nationalismus. untrennbar verbunden mit der herausbildung eines nationalen kollektivs ist die notwendigkeit, eine identit?t zu erheischen, also etwas im sein stillzustellen und ein wir-gef?hl zu kreieren, wie es derzeit von heppner/van dyk mit ihrem volksseelenmassierenden song "wir sind wir", der die gleichung des todes bereits im titel enth?lt, vorexerziert wird. So verlangt es auch der nachttanzdemo nach einer "gesunden, sich weiterentwickelnden, kulturellen identit?t und einem angemessenen kulturellen selbstbewusstsein". ?ber eine gesunde - nicht kranke - identit?t verf?gen die deutschen jedoch bereits, sie ?u?ert sich wenn trotz bzw. wegen friedenssehnsucht jugoslawien bombardiert wird, trotz/wegen multikulti-fandom "unn?tze" migrantInnen abgeschoben und trotz/wegen sozialer marktwirtschaft leute in arbeit und armut gezwungen werden. dass ausgerechnet menschen, die sich angeblich gegen derlei unsch?ne sachverhalte stellen, an der aufrechterhaltung und st?rkung der gesch?ftsgrundlage des falschen ganzen arbeiten, ist paradox. Aus diesem grund bleibt es auch in zukunft unser ziel, solche sich kritisch d?nkenden unkritischen mit unseren argumenten zu versorgen, in der hoffnung die eine oder andere m?ge darin einen ansto? sehen, um sich zu einer tats?chlich radikalen gesellschaftskritikerin zu entwickeln.

Gegen Nationalismus und deutsche Ideologie - f?r den Kommunismus!

gruppe 8. mai ___ ffm

* alle in "" gesetzte zitate sind dem aufruf entnommen, nachzulesen unter
http://www.kulturoffensive.org
26.2.05 16:59


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